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Unsere Berghütte am Grünten

Meine Berghütte ist ein kleines Juwel. Nicht, weil sie soviel wert wäre, sondern weil sie mich immer wieder die Einfachheit des Lebens erfahren lässt. Sie steht an einem steilen Berghang am Grünten. Keine befahrbare Straße führt hinauf und sie ist auch weitab von den Wanderwegen auf denen im Allgäu die Touristen und Freizeitmenschen unterwegs sind.  Nur zu Fuß und mit meinem Allradquad komme ich da rauf. Oder manchmal, wenn es ganz trocken ist, traue ich mich da mit dem Traktor hoch. Um mal etwas Schweres zu transportieren, wie einen neuen Holzofen und Baustoffe vor ein paar Jahren.

So viele Menschen träumen heute vom einfachen, naturnahen Leben. Ich habe den Luxus, dass ich den Traum jederzeit, innerhalb eine halben Stunde Fußmarsch, ausleben kann. Ich gehe einfach auf meine Hütte oder fahre mit dem Quad hinauf. Dort habe ich einen Brunnen mit Quellwasser, einen Herd, einen Ofen,  eine Stube, ein Matrazenlager und jede Menge Handwerkszeuge. Aber keinen Strom, keine Heizung, keine Microwelle, keine Spülmaschine und schon gar kein WLAN mit Internet. Und in das Kompostklo darf nicht einmal das Klopapier – das wird extra gesammelt um es in der häuslichen Mülltonne zu entsorgen.

Diese Einfachheit dort oben ist sehr schön. In Ruhe nachdenken, ein Buch lesen, die Seele baumeln lassen oder mit Freunden in die Nacht hinein quatschen. Ja! Aber nach ein paar Stunden Einfachheit reicht es mir dann auch wieder. Weil nämlich dabei sogar die natürlichsen Sachen mühevoll werden. Wenn ich einen Kaffee will, dann muss ich erst ein Feuer machen. Also immer gleich den Herd in der Küche anheizen und dann darf das Feuer nicht mehr ausgehen. Ganz schnell beschäftigt man sich dort oben stundenlang mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Feuern, Kochen, Kehren, Sammeln, Holzhacken, Handwerken usw.

Generationen von Bauernfamilien haben diese Hütte geformt, Holz geschlagen und behauen, Steine gesammelt, damit Fundamente gemauert. Die Viehweiden drumherum urbar gemacht, Kühe gemolken und davon gelebt. Sogar Apfel- und Kirschbäume haben sie gepflanzt. Üppige Erträge wird das nie abgeworfen haben. Von der Knochenarbeit mal ganz abgesehen. Und dennoch brachte es den Bauern Unabhängigkeit. Und heute?  Ich hab die Kuhnamen an den alten Holzbalken drangelassen, obwohl es schon 50 Jahre her ist, dass die letzte Kuh hier eingestallt war.

Mir wird dort oben immer wieder klar, wie reich und bequem mein Leben geworden ist. Wenn  ich dann wieder heim komme von der Hütte, dann fühle ich zu Hause Dankbarkeit beim Knopfdruck an der Kaffeemaschine und ich freue mich von Herzen, wenn ich aus dem vollen Kühlschrank meine Lebensmittel holen kann.

So Vieles, was für uns so selbstverständlich geworden ist, ist nämlich eigentlich Luxus. Ich wünsche mir als Bauer oft, dass unsere Wohlstandsmenschen auch ab und zu mal den Traum von der Einfachheit des Lebens erfahren könnten.

Euer Alois

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