Familie Geschichten

Hineingeboren ins Bergbauerndasein

Hallo Ich bin Stephan,

ich hatte das große Glück in die Landwirtschaft hineingeboren zu werden. Und um dem noch eins drauf zu setzen auch noch im Allgäu.

Meine Jugend war sehr schön, kein Zweifel. Doch war ich noch nicht reif genug um das was mir widerfahren ist Wert-zu-schätzen.

Inzwischen bin ich 26 Jahre und sehe die gleichen Dinge wie früher, nur mit anderen Augen. Ja ich sehe sogar die Vergangenheit mit ganz anderen Augen.

Vielleicht ein kurzes Fallbeispiel: Als ich 6 Jahre alt war zeigte mein Vater mir wie man Traktor fährt. Zuerst nur ein paar Meter, und mit der Zeit wurden es immer mehr und mehr. Bis ich alleine ein ganzes Feld kreiseln konnte. (kreiseln ist das Wenden des Grases bei der Heuernte) Das war alles sehr schön und machte mir rieeeeesig Spaß.

Aus heutiger Sicht hatte mir aber mein Vater nicht nur das Traktor fahren beigebracht, sondern er hat mir auch gewisse Werte mit auf den Weg gegeben. Ich lernte nicht nur wieviel Freude Arbeit machen kann. Sondern auch, welche Genugtuung es bedeutet seine Arbeit bis zum Schluss fertig zu machen. Und ich lernte mir auch in schwierigen Situationen selbst zu helfen. Damals war mir das nicht Bewusst aber heute weiß ich diesen Wert-zu-Schätzen. Mein Vater hatte mich gefordert. Mein Selbstwertgefühl und mein Selbstvertrauen sind damals entscheidend gewachsen.

Aber worin liegt die Wertschätzung in meiner heutigen Arbeit?

Sie liegt in allem was ich tue!

Wenn unser Jungvieh im Sommer auf unserer Alpe ist, muss mindesten einmal am Tag nachgesehen werden ob alles beim Rechten ist. Ich schaue wie die Tiere Laufen, ob Sie fressen oder ob Sie Wiederkäuen. Denn solche Sachen machen gesunde Tiere. Wenn etwas nicht Stimmt wird natürlich sofort eingegriffen. Aber wenn alles in bester Ordnung ist könnte ich wieder Heim gehen. ABER da zutrauliche Tiere einen ganz anderen Bezug zu Menschen haben und einen ganz anderen Umgang mit Menschen (z.B., wenn ich Sie Anbinden muss oder in einen Viehtransporter verladen muss), gehe ich noch einmal zu Ihnen und „Schmuse“ mit Ihnen (Streichel Sie und oder Rede Ihnen zu). Außerdem bekomme ich Sehr viel Wertschätzung von den Tieren zurück wenn ich so etwas tue. Alessia boxt mich immer wenn ich aufhöre zu Streicheln. Das bringt mir keinen Cent mehr ein, aber ich tue es weil es mir das Wert ist.

Ich gebe unseren Tieren Wert-Schätzung und erhalte gleiches von Ihnen zurück.

 

Noch ein Fallbeispiel: Auf unserer Alpe wachsen beste Alpengräser und Alpenkräuter, aber auch Bäume und Gebüsch. Um die Gräser und die Kräuter kümmern sich unsere weiblichen Mitarbeiterinnen (d‘ Schumpè oder das Jungvieh). Aber wenn sich niemand um die Bäume und das Gebüsch kümmert, wächst unsere Alpe buchstäblich zu. Deshalb schneide ich es ständig zurück. Das ist eine heiden Arbeit, und ziemlich demotivierend, da es in 4 bis 8 Wochen wieder genauso aussieht wie vorher. Das bringt mir in erster Linie keinen monetären Gewinn, aber unsere Alpe ist es mir Wert gepflegt zu werden. Es macht mir einfach mehr Spaß eine gepflegte Wiese zu sehen. Zudem wenn die ganzen Alpen zu wuchern würden, wer würde dann noch im Allgäu seinen Urlaub verbringen wollen.

Ich pflege also meine Alpe, und dafür erfahre ich auch Wertschätzung und bin stolz darauf.

Das,  was wir tun, hat also für uns einen höheren emotionalen Wert als der monetäre Geldwert.

Das macht uns Bergbauern aus.

Ich hoffe ihr könnt aus der Geschichte etwas mitnehmen.

Bis Bald

Euer Stephan

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